Die
meiste Zeit der letzten Wochen war relativ ereignislos, weshalb ich nicht die
Gründe und die Motivation hatte einen Blogeintrag zu verfassen.
Ende April/Anfang Mai haben die Lehrer gestreikt. Es waren kaum Kinder in der
Albergue und es war schon ziemlich langweilig. Am Anfang haben wir gehofft, dass
jeden Moment die Schule wieder beginnt. Also haben wir mit den Kinder, wie
üblich wenn man freie Tage hat, die Zeit viel auf dem Spielplatz oder auch in
dem Computerraum verbracht. Doch nachdem dieser auf unbefristet ausgelegte
Streik schon 1 ½ Woche andauerte, überlegten wir uns konkretere Beschäftigungen
für die Kinder. Das Prinzip, wie es ablaufen sollte, haben wir letztendlich
jedoch nur an einem Tag durchgezogen. An jenem Montag unterrichtete Pavela
zunächst die Primarier, währendessen wir mit den Secundariern Kopien mit
mathematischen Denkaufgaben erledigten. Nach einer Stunde wurde getauscht, so
dass Pavela sich mit den Secundariern beschäftigte, und wir für die Primarier
eine coole Abwechslung dabei hatten: Masken basteln! Klar, dass den Kleinen das
sehr gefallen hat. Nachdem alle konzentriert ihr Maske gestaltet hatten, liefen
gefährliche Teufel, alberne Clowns, sowie wunderschöne Prinzessinnen und
Sternchen durch die Albergue.
Am Dienstag ist dann unerwarteter Weise die Schule wieder angefangen, und die
Kinder, die am Montag zurück nach oben in ihr Dorf gegangen waren, mussten nun
wieder hinunterlaufen. Erst am Mittwoch waren wir letztendlich wieder komplett,
da einige natürlich nicht sofort die Nachricht des wieder aufgenommenen
Unterrichts bekommen hatten.
Bis jetzt gingen die Kinder also wieder normal zur Schule, auch wenn andauernd
Gerüchte über den Schulausfall aufkommen.
An dem letzten Sonntag wurde auch hier Muttertag (el día de la madre) gefeiert.
Eher gesagt, hier ist das Fest so groß, dass manche schon am Freitag mit dem
Fest beginnen, und auch montags noch Feiern anstehen. Am Sonntag haben Laura,
Johanna und ich den Muttertag mit unserer peruanischen Mutter Carmen verbracht.
Wir saßen mit einigen Verwandten und Freunden bei der Mutter von Carmen, also
Abuela Carmen, bei der wir letztens auf dem 80. Geburtstag waren, zum
Mittagessen und haben ein traditionelles Lechón (Spanferkel) gegessen. Wirklich
sehr lecker, und so reichhaltig, dass der Nachtisch fast nicht mehr reinpasste.
Doch der geht natürlich immer. Carmen kann super backen, von ihr haben wir
schon einige Sachen gelernt, und somit hatte sie eben diese Torte auch
zubereitet. An diesem Sonntag wurden glaube ich sowieso die meisten Torten des
Jahres verspeist, denn ich hatte an einem Wochenende noch nie so viele Leute
mit einer Tortenbox auf der Straße gesehen. Neben dem Blumenstrauß ist also
auch eine Torte als Muttertagsgeschenk Pflicht.
Montags standen die Muttertagsfeiern unserer Kinder in ihren Schulen an. Statt
zur Chacra zu gehen, haben wir uns diese Feierlichkeit sowohl in der Escuela
als auch in dem Colegio angeschaut. Die Schüler haben dort Gedichte
vorgetragen, Theater gespielt, etwas gesungen oder vorgetanzt. Bei der Vorführung
in dem Colegio saßen Johanna, Laura und ich zwischen all den anderen Müttern in
einem großen Stuhlkreis in der ersten Reihe. Dort wurde man mit Sekt,
alkoholfreien Getränken und Keksen versorgt. Dabei ist es leider wieder
unangenehm aufgefallen, wie dreist und unhöflich sich viele ländliche Frauen
verhalten. Sie nehmen sich so viel sie tragen können, d.h. zum Beispeil bei
dieser Verantstaltung drei Fantaflaschen plus zwei Hände voll Kekse. Ich finde
soetwas recht erschreckend. Ich kenne auch Einwohner in Quiquijana, die nichts
haben und darum kämpfen müssen, jeden Tag etwas zum Essen zu bekommen, doch
trotzdem zurückhaltend und höflich sind. Deshalb kann ich diese schlechten
Manieren anderer nicht darauf abschieben, dass sie ja ansonsten nichts
geschenkt kriegen.
Die Festlichkeit an sich fande ich echt schön, weil man wirklich gemerkt hat,
wie die Mütter wertgeschätzt werden. Sie sind hier diejenigen, die die Kinder
großziehen und immer für sie da sind. Das wäre soweit natürlich der Idealfall.
Manchmal ist mir während jener Tage das Herz vor Bekümmern stehen geblieben,
wenn ich daran denken musste, wie schrecklich eine solche Feier für die Kinder
der Albergue sein muss, deren Mutter entweder gestorben ist, oder die sie
verstoßen hat, oder ähnliches. Zum Beispiel hat mir ein 6 jähriges Mädchen, das
ihr Mutter hat sterben sehen müssen bei einem schrecklichen Unfall, eine Karte
mit der Aufschrift „Te amo, Mamá“ (Ich liebe dich, Mama) gezeigt. Die Kinder
lassen sich ihre Trauer nicht anmerken, es gilt für alle starken Charakter zu
zeigen, doch wie gerne würde ich sie doch in solchen Momenten ganz fest in den
Arm nehmen.
Die kommende Woche wird die Letzte sein für meine Mitfreiwilligen und
inzwischen sehr guten Freunde Johanna, Laura, Franz und Julian. Alles geht nun auf
ihren Abschied zu, und ich muss sagen, ich bin sehr traurig, dass sie gehen
werden. Da werden wohl einige Tränen fließen.
Bis bald, meine Lieben,
eure Verena
Friday, May 18, 2012
Saturday, May 5, 2012
Friday, April 27, 2012
Geburtstag und Huathualaguna
Am 15. April 2012 feierte unsere Gastoma, Abuela Carmen (Oma
Carmen), ihren 80. Geburtstag. Zu diesem Anlass wurden wir unter den ca. 150
anderen Freunden und Verwandten in ein Club Hotel eingeladen. Alle waren
festlich gekleidet, passend zu dem Ambiente dort. Neben dem Glas für
unalkoholische Getränke, standen schon Champus- und Whiskygläser auf dem Tisch
bereit. Die Menükarte versprach nicht zu viel, wie sich herausstellte, als uns
nach einigen emotionalen Reden der Kinder und Enkel von Abuela Carmen das
Mittagsessen serviert wurde. Nach diesem Festessen wurde gaaanz viel getanzt.
Am Wochenende darauf sagte man zu uns „Ihr ward auch die ganze Zeit auf der
Tanzfläche, oder?“. Bei dem ganzen Getanze musste man aber auch einfach
mittendrin sein. Es wurden jegliche latinische Musikrichtungen gespielt:
Cumbia, Salsa, Wayno und so viele von denen ich die Namen leider nicht weiß.
Besonders die traditionellen peruanischen Tänze wie Wayno haben ganz viel Spaß
gemacht. Nachdem professionelle Tanzgruppen inclusive der Enkel diese live
vorgeführt haben, sind alle mit eingestiegen. Ich finde es schade, dass wir
soetwas nicht bei uns in Deutschland haben. Denn zu dieser Musik tanzen hier
die Leute angefangen bei den Grundschülern bis hin zu den Großmüttern (auch Abuela
Carmen war kaum außerhalb der Tanzfläche anzutreffen). Außerdem haben jegliche
Peruaner/innen (ich denke man kann es aber auch auf ganz Lateinamerika
verallgemeinern) ein super Rhythmusgefühl, so dass auch die Paartänze sehr viel
Spaß machen. Unser Gastvater hatte Gefallen daran uns von einer Drehung in die
nächste zu führen, und da wir auf dieser Feier als „Gringas“ die Attraktion
schlecht hin waren, waren wir sowieso nie lange alleine.
Wir haben die Feier so sehr genossen, dass wir, obwohl sie schon um 13 Uhr angefangen ist, leider den letzten Bus verpasst haben, den wir normalerweise nehmen, um nach Quiquijana zu kommen. Zum Glück sind wir in Lateinamerika, und da kommt man immer noch irgendwie an sein Ziel.
Somit lässt der Taxifahrer uns an einer Kreuzung in einem ärmeren Viertel, außerhalb von dem was uns bekannt ist, aussteigen, weil irgendein Mann an der Busstation, von der wir eigentlich fahren, meinte, dort fahren die Nachtbusse nach Puno lang. Außer dass eine Frau, die dort mit ihrem Wägelchen mit Tee stand, die Aussage unterstütze, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass uns dort ein Bus einsammeln würde (Fahrpläne gibt es hier nichtmal an den Busstation. Man sieht ja, wenn der Bus kommt), zudem war es stockdunkel. Jeder deutsche Neuling in Peru würde wahrscheinlich vor Nervosität durchdrehen. Aber wir setzten uns auf den Bordstein und warteten.
Und siehe da, mit Vertrauen und Geduld, und dann noch mit Freundlichkeit zu dem Busangestellten, dass er doch bitte einen Zwischenstopp in Quiquijana einlegen würde, sind wir tatsächlich noch in unser vertrautes Andendorf gelangt.
Letzte Woche war ein weiteres Highlight, dass wir in die Andendorfgemeinde „Huathualaguna“ gefahren sind. Diese Gemeinde liegt auf 4500 Metern Höhe und einige „unserer“ Kinder sind dort aufgewachsen und wohnen noch immer da. An den Wochenenden müssen sie also immer dort hinauflaufen. Den Weg legen sie zu Fuß zurück, da außer Donnerstag, wenn Markt ist, keine Transportmittel fahren. Somit sind die Kinder jeden Sonntag und Freitag so um die 3 bis 4 Stunden unterwegs bis sie in Quiqujana bzw. Huathualaguna ankommen.
Wir, fünf Freiwillige, Pavela und die Oberoberschwester (hatte ich erwähnt, dass die Chefin des Ordens vier Wochen bei uns zu Besuch war? Sie ist Mittwoch wieder gefahren.) wurden an jenem Tag mit dem Pick up von Hermana Nelly von einem erfahrenen Fahrer hinaufgefahren. Vor uns fuhr der besagte Transporter des Donnerstags. Dabei handelt es sich um einen kleinen Lkw, auf dem die Leuten auf der Ladenfläche mitfahren, zwischen all ihren Marktwaren. Da der Weg von dem Regen am Tag zuvor an manchen Stellen total verschlammt war, ist der Laster einige Male stecken geblieben. Kurz vor dem Ziel mussten letztendlich alle Leute aussteigen und den letzten Rest zu Fuß gehen. Der Laster wurde mit Schaufeln ausgegraben und mit Steinen gesichert, damit er weiterfahren konnte. Die Einwohner sind daran gewöhnt, denn während der Regenzeit ist der Weg viel schlimmer und manchmal sogar gesperrt, so dass die Kinder erst später am Wochenende oder gar nicht zu ihrem Dorf gehen können.
Nachdem ich Huathualaguna gesehen habe, kann ich verstehen, warum für die Kinder Quiquijana schon eine große Stadt ist. Man würde unsers Erachtens nach sagen, in Huathualaguna gäbe es nichts. Es ist eine riesige Grünfläche, wo hier und dort einfache Lehmhäuser stehen, und hinter einem Berg liegt eine große Lagune, die der volle Stolz der Bewohner ist.
Ich habe im Computerunterricht ein Mädchen über ihr Leben in Huathualaguna schreiben lassen, und ihr erster Satz war: „In Huathualaguna gibt es viele Sachen, wichtige Sachen wie Alpacas, Lamas, Schafe, usw.“. Je nach dem wie man aufwächst, sieht man nunmal die Welt. Die Kinder, die aus dieser oder ähnlichen Gegenden neu zu uns in die Albergue kommen, sind noch total „rau“ und müssen sich ersteinmal an das „Stadtleben“ gewöhnen. Es ist kein Wunder, dass sie nicht verstehen, dass man nicht in den kleinen Grünflächen/Gärten der Albergue spielen soll, denn da, wo sie aufwachsen, gibt es so viel Grün, dass es keine Regelungen gibt, wo man spielen darf und wo nicht. Auch kann man sich viel besser auf den Gras raufen als auf dem Beton. „Kämpfen“ gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Jungs, denn sonst gibt es auf dem Land ja auch nicht viel zu spielen. Jedes Spielzeug, was die Kinder in der Albergue in die Hand bekommen, ist sowieso nach einem Tag kaputt, weil sie erstens nie beigebracht bekommen haben, wie man damit bespielt, und zweitens haben sie so viel Kraft durch die harte Arbeit, die sie schon von klein auf verrichten, dass sie ohne es zu merken das Spielzeug zerstören. Plastik verhält sich nunmal nicht wie Steine.
Im Moment habe ich viel Kontakt zu Aydee Roxana, einem Mädchen der ersten Klasse, welche erst seit Februar bei uns ist und aus einem Dorf in der Nähe von Huahualaguna lebt (sie muss also auch zwei Mal in der Woche den Fußmarsch zurücklegen). Bei ihr kann ich gut beobachten, wie sie sich entwickelt. Abgesehen davon, dass sie immer mehr Spanisch lernt, und ich durch sie immer mehr Quechua, lernt sie auch die Verhaltensregeln in der Albergue. Letztens, während wir in der Nähe der DVD-Vitrine Hausaufgaben gemacht haben, haben Juvenal und Wilfredo sich eine DVD nach der anderen aus der Vitrine genommen und dessen Hülle angeschaut. Aydee Roxana meinte irgendetwas auf Quechua zu den beiden, und ich frage Wilfredo: „was hat sie gesagt?“, er antwort: „sie meint, wir dürfen die DVDs nicht ohne zu fragen aus dem Schrank nehmen.“ „Ja, genau das wollte ich auch gerade sagen“. Sie ist ein wirklich süßes Mädchen. Sie bringt mich zum Beispiel auch nach den Hausaufgaben immer bis zu der Tür, die zu unserem Aufenthaltsplatz führt. An der Tür verabschiedet sie sich, denn sie weiß, dass die Kinder nicht dorthin dürfen.
Ich habe schon wieder viel zu viel geschrieben... Dabei gibt es eigentlich noch so viel mehr Kleinigkeiten zu erzählen, die nebenbei passieren.
Achja, noch eine Sache, die doch etwas wichtiger ist. Hermana Nancy hat sich eine längere Auszeit genommen und arbeit somit nicht mehr in der Albergue. Dafür begrüßen wir dieses Wochenende eine andere Schwester, die aus Columbien angereist komm,t und eine weitere Freiwillige aus Deutschland, namens Anne. Anne ist 23, hat gerade ihren Bachlor beendet und möchte bevor sie mit ihrem Master durchstartet, Zeit in Lateinamerika verbringen, unter anderem natürlich als Entwicklungshelferin. Sie wird während Laura, Johanna, Franz und Julian schon ab dem 26. Mai das Projekt verlassen, mich bis zu dem 22. Juni unterstützen.
Liebste Grüße,
Verena
Wir haben die Feier so sehr genossen, dass wir, obwohl sie schon um 13 Uhr angefangen ist, leider den letzten Bus verpasst haben, den wir normalerweise nehmen, um nach Quiquijana zu kommen. Zum Glück sind wir in Lateinamerika, und da kommt man immer noch irgendwie an sein Ziel.
Somit lässt der Taxifahrer uns an einer Kreuzung in einem ärmeren Viertel, außerhalb von dem was uns bekannt ist, aussteigen, weil irgendein Mann an der Busstation, von der wir eigentlich fahren, meinte, dort fahren die Nachtbusse nach Puno lang. Außer dass eine Frau, die dort mit ihrem Wägelchen mit Tee stand, die Aussage unterstütze, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass uns dort ein Bus einsammeln würde (Fahrpläne gibt es hier nichtmal an den Busstation. Man sieht ja, wenn der Bus kommt), zudem war es stockdunkel. Jeder deutsche Neuling in Peru würde wahrscheinlich vor Nervosität durchdrehen. Aber wir setzten uns auf den Bordstein und warteten.
Und siehe da, mit Vertrauen und Geduld, und dann noch mit Freundlichkeit zu dem Busangestellten, dass er doch bitte einen Zwischenstopp in Quiquijana einlegen würde, sind wir tatsächlich noch in unser vertrautes Andendorf gelangt.
Letzte Woche war ein weiteres Highlight, dass wir in die Andendorfgemeinde „Huathualaguna“ gefahren sind. Diese Gemeinde liegt auf 4500 Metern Höhe und einige „unserer“ Kinder sind dort aufgewachsen und wohnen noch immer da. An den Wochenenden müssen sie also immer dort hinauflaufen. Den Weg legen sie zu Fuß zurück, da außer Donnerstag, wenn Markt ist, keine Transportmittel fahren. Somit sind die Kinder jeden Sonntag und Freitag so um die 3 bis 4 Stunden unterwegs bis sie in Quiqujana bzw. Huathualaguna ankommen.
Wir, fünf Freiwillige, Pavela und die Oberoberschwester (hatte ich erwähnt, dass die Chefin des Ordens vier Wochen bei uns zu Besuch war? Sie ist Mittwoch wieder gefahren.) wurden an jenem Tag mit dem Pick up von Hermana Nelly von einem erfahrenen Fahrer hinaufgefahren. Vor uns fuhr der besagte Transporter des Donnerstags. Dabei handelt es sich um einen kleinen Lkw, auf dem die Leuten auf der Ladenfläche mitfahren, zwischen all ihren Marktwaren. Da der Weg von dem Regen am Tag zuvor an manchen Stellen total verschlammt war, ist der Laster einige Male stecken geblieben. Kurz vor dem Ziel mussten letztendlich alle Leute aussteigen und den letzten Rest zu Fuß gehen. Der Laster wurde mit Schaufeln ausgegraben und mit Steinen gesichert, damit er weiterfahren konnte. Die Einwohner sind daran gewöhnt, denn während der Regenzeit ist der Weg viel schlimmer und manchmal sogar gesperrt, so dass die Kinder erst später am Wochenende oder gar nicht zu ihrem Dorf gehen können.
Nachdem ich Huathualaguna gesehen habe, kann ich verstehen, warum für die Kinder Quiquijana schon eine große Stadt ist. Man würde unsers Erachtens nach sagen, in Huathualaguna gäbe es nichts. Es ist eine riesige Grünfläche, wo hier und dort einfache Lehmhäuser stehen, und hinter einem Berg liegt eine große Lagune, die der volle Stolz der Bewohner ist.
Ich habe im Computerunterricht ein Mädchen über ihr Leben in Huathualaguna schreiben lassen, und ihr erster Satz war: „In Huathualaguna gibt es viele Sachen, wichtige Sachen wie Alpacas, Lamas, Schafe, usw.“. Je nach dem wie man aufwächst, sieht man nunmal die Welt. Die Kinder, die aus dieser oder ähnlichen Gegenden neu zu uns in die Albergue kommen, sind noch total „rau“ und müssen sich ersteinmal an das „Stadtleben“ gewöhnen. Es ist kein Wunder, dass sie nicht verstehen, dass man nicht in den kleinen Grünflächen/Gärten der Albergue spielen soll, denn da, wo sie aufwachsen, gibt es so viel Grün, dass es keine Regelungen gibt, wo man spielen darf und wo nicht. Auch kann man sich viel besser auf den Gras raufen als auf dem Beton. „Kämpfen“ gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Jungs, denn sonst gibt es auf dem Land ja auch nicht viel zu spielen. Jedes Spielzeug, was die Kinder in der Albergue in die Hand bekommen, ist sowieso nach einem Tag kaputt, weil sie erstens nie beigebracht bekommen haben, wie man damit bespielt, und zweitens haben sie so viel Kraft durch die harte Arbeit, die sie schon von klein auf verrichten, dass sie ohne es zu merken das Spielzeug zerstören. Plastik verhält sich nunmal nicht wie Steine.
Im Moment habe ich viel Kontakt zu Aydee Roxana, einem Mädchen der ersten Klasse, welche erst seit Februar bei uns ist und aus einem Dorf in der Nähe von Huahualaguna lebt (sie muss also auch zwei Mal in der Woche den Fußmarsch zurücklegen). Bei ihr kann ich gut beobachten, wie sie sich entwickelt. Abgesehen davon, dass sie immer mehr Spanisch lernt, und ich durch sie immer mehr Quechua, lernt sie auch die Verhaltensregeln in der Albergue. Letztens, während wir in der Nähe der DVD-Vitrine Hausaufgaben gemacht haben, haben Juvenal und Wilfredo sich eine DVD nach der anderen aus der Vitrine genommen und dessen Hülle angeschaut. Aydee Roxana meinte irgendetwas auf Quechua zu den beiden, und ich frage Wilfredo: „was hat sie gesagt?“, er antwort: „sie meint, wir dürfen die DVDs nicht ohne zu fragen aus dem Schrank nehmen.“ „Ja, genau das wollte ich auch gerade sagen“. Sie ist ein wirklich süßes Mädchen. Sie bringt mich zum Beispiel auch nach den Hausaufgaben immer bis zu der Tür, die zu unserem Aufenthaltsplatz führt. An der Tür verabschiedet sie sich, denn sie weiß, dass die Kinder nicht dorthin dürfen.
Ich habe schon wieder viel zu viel geschrieben... Dabei gibt es eigentlich noch so viel mehr Kleinigkeiten zu erzählen, die nebenbei passieren.
Achja, noch eine Sache, die doch etwas wichtiger ist. Hermana Nancy hat sich eine längere Auszeit genommen und arbeit somit nicht mehr in der Albergue. Dafür begrüßen wir dieses Wochenende eine andere Schwester, die aus Columbien angereist komm,t und eine weitere Freiwillige aus Deutschland, namens Anne. Anne ist 23, hat gerade ihren Bachlor beendet und möchte bevor sie mit ihrem Master durchstartet, Zeit in Lateinamerika verbringen, unter anderem natürlich als Entwicklungshelferin. Sie wird während Laura, Johanna, Franz und Julian schon ab dem 26. Mai das Projekt verlassen, mich bis zu dem 22. Juni unterstützen.
Liebste Grüße,
Verena
Saturday, April 14, 2012
Ostern
Letzte Woche wurde auch hier in Peru Ostern gefeiert. Eher gesagt, hier ist die ganze Woche von Palmensonntag bis zum Osterfest heilig („La Semana Santa“). Somit hatten die Kinder in der Woche kaum Hausaufgaben auf, und schon ab Donnerstag schulfrei, warum also am Mittwochnachmittag schon nur noch die ca. 20 „Waisenkinder“ dort waren. Wir haben dann mit den wenigen Kindern ein europäisches Ostern gefeiert, d.h. wir haben Schokolade und Bonbons versteckt, die die Kinder suchen mussten. Diese Tradition kennen sie sonst nicht. Erst waren sie ja recht skeptisch, doch als sie dann rausgefunden haben, dass es darum geht viel Süßkram zu erhaschen, waren sie super motiviert. Sie haben uns fast die Tür eingetreten, als wir sie für kurze Zeit aus den Innenhof der Albergue geschickt haben, um alles zu verstecken. Kaum war die Tür geöffnet, stürmten sie los wie Verrückte. So schnell habe ich noch nie alles radikal verschwinden sehen. Obwohl wir Teams von drei Personen (alt, mittel, jung) gebildet hatten, hatten besonders einige Jungs viel mehr gesammelt. Es wurde jedoch alles gerecht aufgeteilt, und alle waren zufrieden. Am Tag danach wurde gleich gefragt: „Spielen wir das Spiel nochmal?“ – „Nein, das spielt man nur einmal im Jahr.“ – „Och man“. Da müssen sie wohl die nächsten Freiwilligen von überzeugen. Für den Donnerstag darauf hatten wir aber andere Spiele geplant. Wir hatten aufgrund der Feiertage ab dann eigentlich schon frei, doch Laura, Johanna und ich wollte die Chance nutzen, neue Spiele auszuprobieren, was man nämlich nicht mit 80 Kindern machen kann. Es war zusätzlich eine gute Entscheidung noch länger in der Albergue zu bleiben, weil die Schwestern uns zu einem festlichen Essen mit ihnen und den beiden Priestern des Dorfes eingeladen haben. Es gab Lasagne (auch für die Kinder wurden etliche Formen gemacht), vorweg natürlich Suppe, dazu Brot und außerdem Wein und Bier. Normalerweise ist es hier außerdem Tradition, dass man „12 platos“ (12 Gerichte) isst. Damit bezieht man sich auf das Abendmahl mit den 12 Aposteln.
Donnerstagabend kamen wir in Cusco an, und das Wochenende lief recht ruhig ab, da schließlich so ziemlich alle Peruaner die Zeit mit ihrer Familie verbrachten. Johanna, Laura und ich haben die Zeit genutzt, um noch einmal zu dem Cristo Blanco (die weiße Christus Statue) hinaufzusteigen, der Cusco überwacht, und von wo aus man einen super schönen Ausblick über die Stadt umgeben von Bergen hat.
Ich hatte ehrlich gesagt nicht so wirklich das Gefühl als sei Ostern, weil es für mich vor allem bedeutet Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich habe jedoch Samstagabend/nacht/morgen Zeit mit meiner Gastschwester verbracht, die wegen der Ostertage und weil ihre Großmutter am 15. April ihren 80. Geburtstag feiert (auch Laura, Johanna und ich werden dabei sein), schon nach Cusco gekommen war. Dann hat also wenigstens nicht die Osterfeier gefehlt, die für mich normalerweise samstags vor Ostern in der Wunderbar stattfindet. Das Inka Team passt dafür auch.
In der Woche vor Ostern bin ich außerdem umgezogen, unzwar von dem Schwesternhaus in das Zimmer direkt beim Mädchenschlafsaal. Bis jetzt hatte ich echt Glück, was Wasser und Strom angeht. Ich meine, die Dusche ist so ziemlich immer kalt, doch ich bin ja schon froh, wenn überhaupt Wasser fließt (die Woche vor meinem Einzug sah das anders aus). Außerdem konnte ich mich schon daran gewöhnen mit Ohropax zu schlafen, so dass mich das „CORRAN!“ (dt: LAUFT!) und das darauffolgende Klatschen von nackten Kinderfüßchen auf den Fliesenboden nicht mehr um 5:50 Uhr aufweckt. Da der Wassertank nämlich über den Tag mit Solarenergie aufgewärmt wird, gibt es jeden Morgen einen Kampf um eine warme Dusche. Sobald der Tank leer ist, duscht der nächste kalt.
Die jetztige Woche war ansonsten nicht sonderlich ereignisreich. Doch obwohl die Kinder erst ab Mittwoch wieder Schule hatten, war irgendwie immer viel zu tun. Johanna, Julian und ich haben uns seit drei Wochen vorgenommen Salsa zu üben, und doch hatten wir bis jetzt keine halbe Stunde frei dafür (Ja, ich nehme im Moment an einem Salsakurs teil. Und es macht richtig Spaß!). Zum Beispiel hat unsere Oberschwester Nelly dieses Wochenende einen Englischtest, weshalb ich ihr an den Nachmittagen Englischnachhilfe gegeben habe. Außerdem helfe ich oft zusätzlich zu der Hausaufgabenbetreuung mit den Kleinen noch bei Mathe- und Physikaufgaben der Ältesten aus. Das ist schon recht anstrengend. Doch es freut mich natürlich auch immer, wenn meine Hilfe erwünscht wird, und besonders mit den Secundariern habe ich sonst außerhalb des Computer- und Englischkurses nicht viel zu tun.
Zu der vormittäglichen Chacraarbeit gibt es nur zu sagen, dass wir Montag und Dienstag Unterstützung von den Kindern der Albergue hatten, und Mittwoch endlich unseren ersten Mais geerntet haben. Der ist unglaublich köstig! Nichts im Vergleich zu dem Mais in Deutschland.
Bis bald,
eure Verena
Donnerstagabend kamen wir in Cusco an, und das Wochenende lief recht ruhig ab, da schließlich so ziemlich alle Peruaner die Zeit mit ihrer Familie verbrachten. Johanna, Laura und ich haben die Zeit genutzt, um noch einmal zu dem Cristo Blanco (die weiße Christus Statue) hinaufzusteigen, der Cusco überwacht, und von wo aus man einen super schönen Ausblick über die Stadt umgeben von Bergen hat.
Ich hatte ehrlich gesagt nicht so wirklich das Gefühl als sei Ostern, weil es für mich vor allem bedeutet Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich habe jedoch Samstagabend/nacht/morgen Zeit mit meiner Gastschwester verbracht, die wegen der Ostertage und weil ihre Großmutter am 15. April ihren 80. Geburtstag feiert (auch Laura, Johanna und ich werden dabei sein), schon nach Cusco gekommen war. Dann hat also wenigstens nicht die Osterfeier gefehlt, die für mich normalerweise samstags vor Ostern in der Wunderbar stattfindet. Das Inka Team passt dafür auch.
In der Woche vor Ostern bin ich außerdem umgezogen, unzwar von dem Schwesternhaus in das Zimmer direkt beim Mädchenschlafsaal. Bis jetzt hatte ich echt Glück, was Wasser und Strom angeht. Ich meine, die Dusche ist so ziemlich immer kalt, doch ich bin ja schon froh, wenn überhaupt Wasser fließt (die Woche vor meinem Einzug sah das anders aus). Außerdem konnte ich mich schon daran gewöhnen mit Ohropax zu schlafen, so dass mich das „CORRAN!“ (dt: LAUFT!) und das darauffolgende Klatschen von nackten Kinderfüßchen auf den Fliesenboden nicht mehr um 5:50 Uhr aufweckt. Da der Wassertank nämlich über den Tag mit Solarenergie aufgewärmt wird, gibt es jeden Morgen einen Kampf um eine warme Dusche. Sobald der Tank leer ist, duscht der nächste kalt.
Die jetztige Woche war ansonsten nicht sonderlich ereignisreich. Doch obwohl die Kinder erst ab Mittwoch wieder Schule hatten, war irgendwie immer viel zu tun. Johanna, Julian und ich haben uns seit drei Wochen vorgenommen Salsa zu üben, und doch hatten wir bis jetzt keine halbe Stunde frei dafür (Ja, ich nehme im Moment an einem Salsakurs teil. Und es macht richtig Spaß!). Zum Beispiel hat unsere Oberschwester Nelly dieses Wochenende einen Englischtest, weshalb ich ihr an den Nachmittagen Englischnachhilfe gegeben habe. Außerdem helfe ich oft zusätzlich zu der Hausaufgabenbetreuung mit den Kleinen noch bei Mathe- und Physikaufgaben der Ältesten aus. Das ist schon recht anstrengend. Doch es freut mich natürlich auch immer, wenn meine Hilfe erwünscht wird, und besonders mit den Secundariern habe ich sonst außerhalb des Computer- und Englischkurses nicht viel zu tun.
Zu der vormittäglichen Chacraarbeit gibt es nur zu sagen, dass wir Montag und Dienstag Unterstützung von den Kindern der Albergue hatten, und Mittwoch endlich unseren ersten Mais geerntet haben. Der ist unglaublich köstig! Nichts im Vergleich zu dem Mais in Deutschland.
Bis bald,
eure Verena
Saturday, March 24, 2012
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Ich glaube in der ganzen Zeit, in der ich schon hier bin, gabe es vielleicht eine Woche in der alles geregelt abgelaufen ist, also nach dem Arbeitsplan, an dem die Schwestern und wir Freiwilligen uns orientieren. Aber wirklich nur „orientieren“, denn in jeder Woche, an jedem Tag, kommt vieles wieder anders. Doch gerade deswegen wird es ja nie langweilig.
Letzte Woche zum Beispiel waren wir im „Schwestern-Notstand“ und sind es eigentlich immer noch. Es war nur die Oberschwester Nelly in der Albergue. Hermana Cecilia ist noch bis Mitte April in Columbien, und Hermana Nancy hatte sich für die letzte Woche Urlaub genommen. Da haben wir Freiwilligen geholfen, wo wir konnten, und haben Aufgaben übernommen, für die wir normalerweise nicht zuständig sind. Zum Beispiel haben wir beim Austeilen des Essens für die Kinder geholfen, unser Mittagessen selber gekocht und mussten die Kinder bei der Hausaufgabenbetreuung übernehmen, um die sich normalerweise Hermana Nancy kümmert.
Bei der Hausaufgaben hat sich nun, da ein neues Schuljahr begonnen hat, auch ein wenig geändert. Besonders für mich, da meine 5-Klässler (der Escuela/Primaria: 1. bis 6. Klasse) nun in der sechsten Klasse sind, und um die 6-Klässler kümmert sich üblicherweise die Lehrerin Pavela, um sie gezielt auf den Einstieg ins Colegio (auch Secundaria genannt: 1. bis 5. Klasse) vorzubereiten. Ich finde es ziemlich schade, dass ich nicht weiterhin mit ihnen arbeiten kann, weil ich mich schon so gut mit ihnen eingespielt habe. Jetzt bin ich für die Zweit- und Drittklässler zuständig, und auch teilweise für die Erstklässler. Um letztere kümmert sich normalerweise Hermana Nancy, aber letzte Woche war sie ja nicht anwesend, und manchmal geht sie auch schon bevor alle fertig sind. Die erste Woche, ohne Schwester Nancy und in der die Kinder mich zum ersten Mal als Autoritätsperson bei den Hausaufgaben hatten, war unglaublich stressig. Außerdem ist unter ihnen eine Neue, die kaum Spanisch versteht und spricht, wodurch die Kommunikation mit ihr ziemlich schwierig ist. Ich habe in dieser Woche jedoch schon gemerkt, wie sich die Arbeit mit den Jüngerinnen langsam einspielt, und auch das Vertrauen der Kleinen, die fast nur Quechua spricht, konnte ich gewinnen.
Diese Woche gab es allerdings nur Montag und Dienstag Hausaufgabenbetreuung. Denn an den Tagen von Mittwoch bis Freitag haben die Lehrer gestreikt, wodurch natürlich die Schule ausfiel. Die Bildung der Kinder steht andauernd hinten an.
Wir Freiwilligen haben nun auch wieder unseren Englischunterricht begonnen, da glücklicherweise an den Abenden kein Strom ausgefallen ist. Ich freue mich, wieder Kurse zu geben zu können. Es macht einfach Spaß, den Kindern das beizubringen, was man selbst für wichtig hält, und ihnen sinnvolle Lernübungen zu geben (die Hausaufgabe für die Klassen 4 der Primarier bis zu dem letzten Jahrgang der Secundarier war in den letzen zwei Wochen, Deckblätter für jedes Heft zu malen). Außerdem wurden die Gruppen neu gemischt, da nun natürlich Neue in die Secundarier gekommen sind. In der Gruppe von Julian, Laura und Johanna waren schon immer die Älteren, die mehr können, und deswegen sind die Besten aus unserer Gruppe in die von ihnen gerutscht. Somit kommen zu uns die Jüngeren, unter denen auch welche sind, die ganz neu in der Albergue sind. Da hat man die Chance auch diese Kinder besser kennenzulernen.
Ansonsten hatten wir, da an den letzten Tagen die Schule ausfiel, auf der Chacra Unterstützung von den Kindern. Das ist immer sehr willkommen, weil dadurch die Arbeit, für die wir zu fünft einige Vormittage gebraucht hätten, in zwei Stunden erledigt ist.
Zu guter Letzt: am Freitag feierte Julian seinen 20. Geburtstag. Zusammen mit der Lehrin Pavela und der Bäuerin der Chacra Juanna, haben wir uns einen Überraschungsparty überlegt, unzwar an keinem geringeren Ort, also in einer Chicharia in Quiquijana. Chicharias sind kleine „Bars“, in denen die Andenbewohner sich mit Chicha (Maisbier) betrinken (der Alkoholismus und auch die Alkoholabhängigkeit ist hier leider sehr groß). Es gibt hier in Quiquijana unglaublich viele, und bisher kannten wir nur den starken Geruch, der aus ihnen drängt. Nun also eine echte Sensation: Gringos in einer Chicharia! Julian hatte nichts geahnt, als wir ihn unter dem Vorwand, was für die Chacra zu holen dorthin gelotst haben. Eine gelungene Überraschung!
Bis bald, meine Lieben,
eure Verena
Letzte Woche zum Beispiel waren wir im „Schwestern-Notstand“ und sind es eigentlich immer noch. Es war nur die Oberschwester Nelly in der Albergue. Hermana Cecilia ist noch bis Mitte April in Columbien, und Hermana Nancy hatte sich für die letzte Woche Urlaub genommen. Da haben wir Freiwilligen geholfen, wo wir konnten, und haben Aufgaben übernommen, für die wir normalerweise nicht zuständig sind. Zum Beispiel haben wir beim Austeilen des Essens für die Kinder geholfen, unser Mittagessen selber gekocht und mussten die Kinder bei der Hausaufgabenbetreuung übernehmen, um die sich normalerweise Hermana Nancy kümmert.
Bei der Hausaufgaben hat sich nun, da ein neues Schuljahr begonnen hat, auch ein wenig geändert. Besonders für mich, da meine 5-Klässler (der Escuela/Primaria: 1. bis 6. Klasse) nun in der sechsten Klasse sind, und um die 6-Klässler kümmert sich üblicherweise die Lehrerin Pavela, um sie gezielt auf den Einstieg ins Colegio (auch Secundaria genannt: 1. bis 5. Klasse) vorzubereiten. Ich finde es ziemlich schade, dass ich nicht weiterhin mit ihnen arbeiten kann, weil ich mich schon so gut mit ihnen eingespielt habe. Jetzt bin ich für die Zweit- und Drittklässler zuständig, und auch teilweise für die Erstklässler. Um letztere kümmert sich normalerweise Hermana Nancy, aber letzte Woche war sie ja nicht anwesend, und manchmal geht sie auch schon bevor alle fertig sind. Die erste Woche, ohne Schwester Nancy und in der die Kinder mich zum ersten Mal als Autoritätsperson bei den Hausaufgaben hatten, war unglaublich stressig. Außerdem ist unter ihnen eine Neue, die kaum Spanisch versteht und spricht, wodurch die Kommunikation mit ihr ziemlich schwierig ist. Ich habe in dieser Woche jedoch schon gemerkt, wie sich die Arbeit mit den Jüngerinnen langsam einspielt, und auch das Vertrauen der Kleinen, die fast nur Quechua spricht, konnte ich gewinnen.
Diese Woche gab es allerdings nur Montag und Dienstag Hausaufgabenbetreuung. Denn an den Tagen von Mittwoch bis Freitag haben die Lehrer gestreikt, wodurch natürlich die Schule ausfiel. Die Bildung der Kinder steht andauernd hinten an.
Wir Freiwilligen haben nun auch wieder unseren Englischunterricht begonnen, da glücklicherweise an den Abenden kein Strom ausgefallen ist. Ich freue mich, wieder Kurse zu geben zu können. Es macht einfach Spaß, den Kindern das beizubringen, was man selbst für wichtig hält, und ihnen sinnvolle Lernübungen zu geben (die Hausaufgabe für die Klassen 4 der Primarier bis zu dem letzten Jahrgang der Secundarier war in den letzen zwei Wochen, Deckblätter für jedes Heft zu malen). Außerdem wurden die Gruppen neu gemischt, da nun natürlich Neue in die Secundarier gekommen sind. In der Gruppe von Julian, Laura und Johanna waren schon immer die Älteren, die mehr können, und deswegen sind die Besten aus unserer Gruppe in die von ihnen gerutscht. Somit kommen zu uns die Jüngeren, unter denen auch welche sind, die ganz neu in der Albergue sind. Da hat man die Chance auch diese Kinder besser kennenzulernen.
Ansonsten hatten wir, da an den letzten Tagen die Schule ausfiel, auf der Chacra Unterstützung von den Kindern. Das ist immer sehr willkommen, weil dadurch die Arbeit, für die wir zu fünft einige Vormittage gebraucht hätten, in zwei Stunden erledigt ist.
Zu guter Letzt: am Freitag feierte Julian seinen 20. Geburtstag. Zusammen mit der Lehrin Pavela und der Bäuerin der Chacra Juanna, haben wir uns einen Überraschungsparty überlegt, unzwar an keinem geringeren Ort, also in einer Chicharia in Quiquijana. Chicharias sind kleine „Bars“, in denen die Andenbewohner sich mit Chicha (Maisbier) betrinken (der Alkoholismus und auch die Alkoholabhängigkeit ist hier leider sehr groß). Es gibt hier in Quiquijana unglaublich viele, und bisher kannten wir nur den starken Geruch, der aus ihnen drängt. Nun also eine echte Sensation: Gringos in einer Chicharia! Julian hatte nichts geahnt, als wir ihn unter dem Vorwand, was für die Chacra zu holen dorthin gelotst haben. Eine gelungene Überraschung!
Bis bald, meine Lieben,
eure Verena
Friday, March 9, 2012
Die ersten Schultage für unsere Jüngsten
Diese Woche war die Albergue schon wieder viel belebter als die letzten Wochen. Es waren zwar noch immer nicht alle Kinder da, doch schon ca. 50 von ihnen. Einige neue Gesichter sind auch darunter.
Bevor jedoch die Albergue wieder gefüllt wurde, haben wir die Woche zuvor mit den wenigen Kindern noch einen größeren Ausflug gemacht. So etwas wird nur einmal im Jahr gemacht, und dementsprechend aufgeregt waren alle. Das Ziel in diesem Jahr waren die heißen Quellen in Sicuani. Auch wir Freiwilligen sind mit in das Wasser gesprungen und haben mit den Kindern bei einer Wassertemperatur von bis zu 40 °C rumgetollt. Wir hatten außerdem unser Mittagessen mitgenommen, und wir essen uns immer noch an den Keksen satt, die wir kurz vor Weihnachten in Massen geschenkt bekommen haben. Dieser Tag war also wirklich gelungen, und alle waren rundum glücklich.
Nun waren also schon fast alle Kinder wieder da, doch die Schule hat immer noch nicht wirklich begonnen; erst hieß es sie finge am 1. März an, dann am Montag, dann am Donnerstag, und jetzt meint man ab nächsten Montag geht es wieder richtig los. Die Schulordnung ist hier manchmal echt zum verzweifeln. Die Einzigen, die schon richtig am arbeiten sind, sind die Erstklässler. Unsere fünf Kleinsten, Yamilet, Rubi, Yajaira (diese drei haben wir vorher immer zum Kindergarten gebracht), Andres und William, wurden an diesem Montag eingeschult. Julian und ich haben sie an ihrem ersten Tag begleitet. Hier wird aus dem Erstenschultag jedoch nicht so eine große Sache gemacht (von wegen Schultüte und so), dafür besitzt man gar kein Geld, besonders nicht bei so vielen Kindern. Dieser Montag lief im Prinzip ab wie jeder Montag in der Schule: Die Klassen der Jahrgänge 1 bis 6 stehen in einer Reihe, „exerzieren“ wie beim Militär nach dem, was der Schulleiter sag, und halten ihren Arme streng an der Seite, während ein halbes Dutzend von Schulkindern mit der peruanischen Flagge vorneweg maschiert, wozu alle die Flaggenhymne singen. Zudem wird später die Nationalhymne gesungen und das Vaterunser gebetet. Zuzüglich zu dieser üblichen Prozession wurden schwungvolle zu einem weiteren Schuljahr motivierende Reden gehalten. In jenen hieß es, man seie sich bewusst, dass letztes Jahr nicht alles richtig gelaufen sei, doch dieses Jahr werde man alles besser machen, damit die Kinder, die die Zukunft des Landes seien, eine gerechte Bildung erhalten können. Man sei höchst motiviert in den Unterricht für dieses Jahr zu starten. Ich denke es ist überflüssig zu erwähnen, was ich von diesem Versprechen halte, wenn man gelesen hat, welche Erfahrung ich mit dem Unterricht der Lehrer gemacht habe.
Am Donnerstag war ich außerdem bei der Elternversammlung der Klasse von Yamilet und Rubi als vertretende Erziehungsberechtige anwesend. Dort wurde das Komitee gebildet, so wie auch bei uns der Elternvertreter gewählt wird usw. Im Weiteren wurde besprochen, welche Schulmaterialien die Kinder brauchen, wobei auch einige Sachen in einer Gruppe gekauft werden, weil es ökonomischer ist. Die Eltern müssen nämlich neben dem persönlichen Arbeitsmaterial der Kinder, solche Sachen wie Seife für das Bad und das Arbeitsmaterial der Lehrer (dicke Filzstifte, Tafel usw.) bezahlen. Eigentlich war diese Versammlung nicht allzu spannend, und die meisten Mütter können kein Spanisch, sondern nur Quechua, warum also auch viel Quechua gesprochen wurde und ich um eine Übersetzung auf Spanisch bitten musste.
Soweit dieser kleine Einblick in meine momentane Arbeit.
Ganz liebe Grüße,
Verena
Bevor jedoch die Albergue wieder gefüllt wurde, haben wir die Woche zuvor mit den wenigen Kindern noch einen größeren Ausflug gemacht. So etwas wird nur einmal im Jahr gemacht, und dementsprechend aufgeregt waren alle. Das Ziel in diesem Jahr waren die heißen Quellen in Sicuani. Auch wir Freiwilligen sind mit in das Wasser gesprungen und haben mit den Kindern bei einer Wassertemperatur von bis zu 40 °C rumgetollt. Wir hatten außerdem unser Mittagessen mitgenommen, und wir essen uns immer noch an den Keksen satt, die wir kurz vor Weihnachten in Massen geschenkt bekommen haben. Dieser Tag war also wirklich gelungen, und alle waren rundum glücklich.
Nun waren also schon fast alle Kinder wieder da, doch die Schule hat immer noch nicht wirklich begonnen; erst hieß es sie finge am 1. März an, dann am Montag, dann am Donnerstag, und jetzt meint man ab nächsten Montag geht es wieder richtig los. Die Schulordnung ist hier manchmal echt zum verzweifeln. Die Einzigen, die schon richtig am arbeiten sind, sind die Erstklässler. Unsere fünf Kleinsten, Yamilet, Rubi, Yajaira (diese drei haben wir vorher immer zum Kindergarten gebracht), Andres und William, wurden an diesem Montag eingeschult. Julian und ich haben sie an ihrem ersten Tag begleitet. Hier wird aus dem Erstenschultag jedoch nicht so eine große Sache gemacht (von wegen Schultüte und so), dafür besitzt man gar kein Geld, besonders nicht bei so vielen Kindern. Dieser Montag lief im Prinzip ab wie jeder Montag in der Schule: Die Klassen der Jahrgänge 1 bis 6 stehen in einer Reihe, „exerzieren“ wie beim Militär nach dem, was der Schulleiter sag, und halten ihren Arme streng an der Seite, während ein halbes Dutzend von Schulkindern mit der peruanischen Flagge vorneweg maschiert, wozu alle die Flaggenhymne singen. Zudem wird später die Nationalhymne gesungen und das Vaterunser gebetet. Zuzüglich zu dieser üblichen Prozession wurden schwungvolle zu einem weiteren Schuljahr motivierende Reden gehalten. In jenen hieß es, man seie sich bewusst, dass letztes Jahr nicht alles richtig gelaufen sei, doch dieses Jahr werde man alles besser machen, damit die Kinder, die die Zukunft des Landes seien, eine gerechte Bildung erhalten können. Man sei höchst motiviert in den Unterricht für dieses Jahr zu starten. Ich denke es ist überflüssig zu erwähnen, was ich von diesem Versprechen halte, wenn man gelesen hat, welche Erfahrung ich mit dem Unterricht der Lehrer gemacht habe.
Am Donnerstag war ich außerdem bei der Elternversammlung der Klasse von Yamilet und Rubi als vertretende Erziehungsberechtige anwesend. Dort wurde das Komitee gebildet, so wie auch bei uns der Elternvertreter gewählt wird usw. Im Weiteren wurde besprochen, welche Schulmaterialien die Kinder brauchen, wobei auch einige Sachen in einer Gruppe gekauft werden, weil es ökonomischer ist. Die Eltern müssen nämlich neben dem persönlichen Arbeitsmaterial der Kinder, solche Sachen wie Seife für das Bad und das Arbeitsmaterial der Lehrer (dicke Filzstifte, Tafel usw.) bezahlen. Eigentlich war diese Versammlung nicht allzu spannend, und die meisten Mütter können kein Spanisch, sondern nur Quechua, warum also auch viel Quechua gesprochen wurde und ich um eine Übersetzung auf Spanisch bitten musste.
Soweit dieser kleine Einblick in meine momentane Arbeit.
Ganz liebe Grüße,
Verena
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