Diese Woche war die Albergue schon wieder viel belebter als die letzten Wochen. Es waren zwar noch immer nicht alle Kinder da, doch schon ca. 50 von ihnen. Einige neue Gesichter sind auch darunter.
Bevor jedoch die Albergue wieder gefüllt wurde, haben wir die Woche zuvor mit den wenigen Kindern noch einen größeren Ausflug gemacht. So etwas wird nur einmal im Jahr gemacht, und dementsprechend aufgeregt waren alle. Das Ziel in diesem Jahr waren die heißen Quellen in Sicuani. Auch wir Freiwilligen sind mit in das Wasser gesprungen und haben mit den Kindern bei einer Wassertemperatur von bis zu 40 °C rumgetollt. Wir hatten außerdem unser Mittagessen mitgenommen, und wir essen uns immer noch an den Keksen satt, die wir kurz vor Weihnachten in Massen geschenkt bekommen haben. Dieser Tag war also wirklich gelungen, und alle waren rundum glücklich.
Nun waren also schon fast alle Kinder wieder da, doch die Schule hat immer noch nicht wirklich begonnen; erst hieß es sie finge am 1. März an, dann am Montag, dann am Donnerstag, und jetzt meint man ab nächsten Montag geht es wieder richtig los. Die Schulordnung ist hier manchmal echt zum verzweifeln. Die Einzigen, die schon richtig am arbeiten sind, sind die Erstklässler. Unsere fünf Kleinsten, Yamilet, Rubi, Yajaira (diese drei haben wir vorher immer zum Kindergarten gebracht), Andres und William, wurden an diesem Montag eingeschult. Julian und ich haben sie an ihrem ersten Tag begleitet. Hier wird aus dem Erstenschultag jedoch nicht so eine große Sache gemacht (von wegen Schultüte und so), dafür besitzt man gar kein Geld, besonders nicht bei so vielen Kindern. Dieser Montag lief im Prinzip ab wie jeder Montag in der Schule: Die Klassen der Jahrgänge 1 bis 6 stehen in einer Reihe, „exerzieren“ wie beim Militär nach dem, was der Schulleiter sag, und halten ihren Arme streng an der Seite, während ein halbes Dutzend von Schulkindern mit der peruanischen Flagge vorneweg maschiert, wozu alle die Flaggenhymne singen. Zudem wird später die Nationalhymne gesungen und das Vaterunser gebetet. Zuzüglich zu dieser üblichen Prozession wurden schwungvolle zu einem weiteren Schuljahr motivierende Reden gehalten. In jenen hieß es, man seie sich bewusst, dass letztes Jahr nicht alles richtig gelaufen sei, doch dieses Jahr werde man alles besser machen, damit die Kinder, die die Zukunft des Landes seien, eine gerechte Bildung erhalten können. Man sei höchst motiviert in den Unterricht für dieses Jahr zu starten. Ich denke es ist überflüssig zu erwähnen, was ich von diesem Versprechen halte, wenn man gelesen hat, welche Erfahrung ich mit dem Unterricht der Lehrer gemacht habe.
Am Donnerstag war ich außerdem bei der Elternversammlung der Klasse von Yamilet und Rubi als vertretende Erziehungsberechtige anwesend. Dort wurde das Komitee gebildet, so wie auch bei uns der Elternvertreter gewählt wird usw. Im Weiteren wurde besprochen, welche Schulmaterialien die Kinder brauchen, wobei auch einige Sachen in einer Gruppe gekauft werden, weil es ökonomischer ist. Die Eltern müssen nämlich neben dem persönlichen Arbeitsmaterial der Kinder, solche Sachen wie Seife für das Bad und das Arbeitsmaterial der Lehrer (dicke Filzstifte, Tafel usw.) bezahlen. Eigentlich war diese Versammlung nicht allzu spannend, und die meisten Mütter können kein Spanisch, sondern nur Quechua, warum also auch viel Quechua gesprochen wurde und ich um eine Übersetzung auf Spanisch bitten musste.
Soweit dieser kleine Einblick in meine momentane Arbeit.
Ganz liebe Grüße,
Verena
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