Saturday, April 14, 2012

Ostern

Letzte Woche wurde auch hier in Peru Ostern gefeiert. Eher gesagt, hier ist die ganze Woche von Palmensonntag bis zum Osterfest heilig („La Semana Santa“). Somit hatten die Kinder in der Woche kaum Hausaufgaben auf, und schon ab Donnerstag schulfrei, warum also am Mittwochnachmittag schon nur noch die ca. 20 „Waisenkinder“ dort waren. Wir haben dann mit den wenigen Kindern ein europäisches Ostern gefeiert, d.h. wir haben Schokolade und Bonbons versteckt, die die Kinder suchen mussten. Diese Tradition kennen sie sonst nicht. Erst waren sie ja recht skeptisch, doch als sie dann rausgefunden haben, dass es darum geht viel Süßkram zu erhaschen, waren sie super motiviert. Sie haben uns fast die Tür eingetreten, als wir sie für kurze Zeit aus den Innenhof der Albergue geschickt haben, um alles zu verstecken. Kaum war die Tür geöffnet, stürmten sie los wie Verrückte. So schnell habe ich noch nie alles radikal verschwinden sehen. Obwohl wir Teams von drei Personen (alt, mittel, jung) gebildet hatten, hatten besonders einige Jungs viel mehr gesammelt. Es wurde jedoch alles gerecht aufgeteilt, und alle waren zufrieden. Am Tag danach wurde gleich gefragt: „Spielen wir das Spiel nochmal?“ – „Nein, das spielt man nur einmal im Jahr.“ – „Och man“. Da müssen sie wohl die nächsten Freiwilligen von überzeugen. Für den Donnerstag darauf hatten wir aber andere Spiele geplant. Wir hatten aufgrund der Feiertage ab dann eigentlich schon frei, doch Laura, Johanna und ich wollte die Chance nutzen, neue Spiele auszuprobieren, was man nämlich nicht mit 80 Kindern machen kann. Es war zusätzlich eine gute Entscheidung noch länger in der Albergue zu bleiben, weil die Schwestern uns zu einem festlichen Essen mit ihnen und den beiden Priestern des Dorfes eingeladen haben. Es gab Lasagne (auch für die Kinder wurden etliche Formen gemacht),  vorweg natürlich Suppe, dazu Brot und außerdem Wein und Bier. Normalerweise ist es hier außerdem Tradition, dass man „12 platos“ (12 Gerichte) isst. Damit bezieht man sich auf das Abendmahl mit den 12 Aposteln.
Donnerstagabend kamen wir in Cusco an, und das Wochenende lief recht ruhig ab, da schließlich so ziemlich alle Peruaner die Zeit mit ihrer Familie verbrachten. Johanna, Laura und ich haben die Zeit genutzt, um noch einmal zu dem Cristo Blanco (die weiße Christus Statue) hinaufzusteigen, der Cusco überwacht, und von wo aus man einen super schönen Ausblick über die Stadt umgeben von Bergen hat.
Ich hatte ehrlich gesagt nicht so wirklich das Gefühl als sei Ostern, weil es für mich vor allem bedeutet Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich habe jedoch Samstagabend/nacht/morgen Zeit mit meiner Gastschwester verbracht, die wegen der Ostertage und weil ihre Großmutter am 15. April ihren 80. Geburtstag feiert (auch Laura, Johanna und ich werden dabei sein), schon nach Cusco gekommen war. Dann hat also wenigstens nicht die Osterfeier gefehlt, die für mich normalerweise samstags vor Ostern in der Wunderbar stattfindet. Das Inka Team passt dafür auch.

In der Woche vor Ostern bin ich außerdem umgezogen, unzwar von dem Schwesternhaus in das Zimmer direkt beim Mädchenschlafsaal. Bis jetzt hatte ich echt Glück, was Wasser und Strom angeht. Ich meine, die Dusche ist so ziemlich immer kalt, doch ich bin ja schon froh, wenn überhaupt Wasser fließt (die Woche vor meinem Einzug sah das anders aus). Außerdem konnte ich mich schon daran gewöhnen mit Ohropax zu schlafen, so dass mich das „CORRAN!“ (dt: LAUFT!) und das darauffolgende Klatschen von nackten Kinderfüßchen auf den Fliesenboden nicht mehr um 5:50 Uhr aufweckt. Da der Wassertank nämlich über den Tag mit Solarenergie aufgewärmt wird, gibt es jeden Morgen einen Kampf um eine warme Dusche. Sobald der Tank leer ist, duscht der nächste kalt.

Die jetztige Woche war ansonsten nicht sonderlich ereignisreich. Doch obwohl die Kinder erst ab Mittwoch wieder Schule hatten, war irgendwie immer viel zu tun. Johanna, Julian und ich haben uns seit drei Wochen vorgenommen Salsa zu üben, und doch hatten wir bis jetzt keine halbe Stunde frei dafür (Ja, ich nehme im Moment an einem Salsakurs teil. Und es macht richtig Spaß!). Zum Beispiel hat unsere Oberschwester Nelly dieses Wochenende einen Englischtest, weshalb ich ihr an den Nachmittagen Englischnachhilfe gegeben habe. Außerdem helfe ich oft zusätzlich zu der Hausaufgabenbetreuung mit den Kleinen noch bei Mathe- und Physikaufgaben der Ältesten aus. Das ist schon recht anstrengend. Doch es freut mich natürlich auch immer, wenn meine Hilfe erwünscht wird, und besonders mit den Secundariern habe ich sonst außerhalb des Computer- und Englischkurses nicht viel zu tun.

Zu der vormittäglichen Chacraarbeit gibt es nur zu sagen, dass wir Montag und Dienstag Unterstützung von den Kindern der Albergue hatten, und Mittwoch endlich unseren ersten Mais geerntet haben. Der ist unglaublich köstig! Nichts im Vergleich zu dem Mais in Deutschland.

Bis bald,
eure Verena

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