Willkommen, Regenzeit! Ich dachte schon, vielleicht besteht die Regenzeit daraus, dass es nur ab und zu regnet, denn so war es noch im Januar. Doch nun regnet es jeden Tag. Meistens später am Nachmittag, aber manchmal auch fast den ganzen Tag durch. Da hat man oft gar keine Lust aus dem Haus zu gehen, und kalt ist es auch.Wenn dann aber doch mal die Sonner rauskommt, sieht man wie viel grüner einfach alles ist. Zum Beispiel sind wir an diesem Freitag mit den Kindern und Schwester Nancy zu Kapellen, die weiter oben auf einem Berg liegen, hinaufgestiegen, und konnten von da aus Quiquijana von oben und ihre schöne Umgebung bewundern.
Seit dem 15. Februar bin ich nun wieder zu den üblichen Tagen in Quiquijana anzutreffen. Die Arbeit läuft jedoch noch nicht so geregelt ab wie normalerweise, da im Moment noch Ferien sind. Erst am 5. März startet die Schule wieder und somit werden auch dann erst alle Kinder wieder in der Albergue sein. Gerade sind es 20 Kinder mit denen wir uns hauptsächlich spielerisch beschäftigen, besonders „Computo“ (Computerunterricht) ist sehr beliebt. Dabei haben auch die aus der Primaria die Chance an den Computer zu gehen, und es ist echt niedlich den 5-jährigen das Tippen auf der Tastatur beizubringen.
Letzte Woche Donnerstag wurde hier in Quiquijana das Fest der Comadre (Taufpatin) zelebriert. Dieses Fest war mir ehrlich gesagt ein wenig suspekt. Schwester Nancy und auch meine Gastmutter haben versucht es mir zu erklären, aber so ganz verstehe ich es doch nicht. An diesem Tag tragen Männer die Comadre, dargestellt als Puppe, in einem selbstgebastelten lebensgroßen Sag durch das Dorf. Sie grölen laut, und spielen, dass sie die Comadre begraben (in anderen Dörfern wurde sie in Bäumen aufgehangen). Man sei nämlich der Meinung die Comadre sei lästig, und man müsse sie loswerden. Jeder einzele stellt sich in dieser „Comadre“ eine für ihn nervige Person vor, und macht sich somit einen Spaß daraus zu sehen wie diese geschändelt wird. Die gleiche Prozession, nur umgekehrt, haben die Frauen eine Woche zuvor mit dem Copadre (Taufpauten) gemacht. Da ich von einem ähnlichen Fest noch nie etwas gehört habe, kann ich wohl nicht richtig begreifen, wozu es dieses Fest gibt. Doch hier gehört das Fest zu dem Land dazu wie jedes andere auch.
Ein weiteres Fest, wohl eher bekannt, war Karneval an diesem Dienstag. Wir haben schon am Sonntag in Cusco auf dem Plaza de Armas die Leute feiern gesehen. Doch nur für sehr kurz, da es geregnet hat, und wir nicht nur durch den Regen, sondern auch von Schaum durchnässt waren. Hier ist es nämlich Tradition, dass man sich gegenseitig mit Schaum, der aus einer raumspray-großen Dose kommt, besprüht, und zusätzlich mit Wasserbomben bewirft (letzteres ist in Cusco verboten, gibt es jedoch noch in den kleinen Dörfern wie Quiquijana). Für den Karneval in Quiquijana wurde ein Bühne aufgebaut, Kicker, Trampolin und ein kleines Karusell. Die Einwohner führten die üblichen traditionell schauspielerischen Tänze auf mit der zugehörigen Wayñu - Musik. Ich weiß nicht, wie ich neutral beschreiben soll, was Wayñu-Musik ist. In Deutschland würde man es wahrscheinlich „extrem hohes Gequische“ nennen. Ich möchte zwar kein schlechtes Wort über die andine Tradition verlieren, doch es war wirklich nicht schön, dieses Gequitsche in voller Lautstärke von Dienstagmittag bis in die Nacht (ca. 5 Uhr Mittwochmorgen) hören zu müssen, da das Schwesternhaus sehr nahe am Plaza de Armas liegt.
Eine weitere Gewohnheit ist es, zu Karneval Bäume aufzustellen, die behangen sind mit allen möglichen Gegenständen (Decke, Zement, Kochschüssel,...). Die Leuten tanzen am späten Abend um diese und fällen sie. Jeder versucht dann eins dieser Geschenke zu erhaschen.
Das Karnevalsfest hier ist also ganz anders als das in Deutschland. Hier verkleidet sich niemand, und bunte Wagen in dem Umzug gibt es auch nicht. Die Peruaner stellen viel mehr ihre Kultur in diesem Fest dar, und man erzählte uns, dass ursprünglich Paartänze praktiziert wurden, und dabei geschaut wurde, wer am besten miteinander tanzen kann, also am besten zusammen passt.
Nun noch eine kleine Korrektur zum letzten Eintrag. Es wird nicht so sein, dass Anne Kinder aus der Albergue zu einem Zahnarzt in Cusco bringt. Wir bekommen nämlich unsere eigene kleine Zahnarztpraxis in Quiquijana. In dem Schwesternhaus ist ein Zimmer ungenutzt, und gut geeignet für diese nützliche Anschaffung. Der Zahnarzt war schon hier als Dr. Gravenkötter noch zu Besuch in Quiquijana war, und somit wird dieses Projekt nun nach und nach in die Wege geleitet.
Die liebsten Grüße aus Peru,
Verena
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