An diesem Wochenende stecken wir schon die vierte Kerze unseres Adventskranzes an. Die Weihnachtsstimmung kommt aber irgendwie nicht so wirklich auf. Dazu passt das Wetter einfach nicht: entweder man kriegt einen Sonnenbrand oder man ist klitsch nass vom Regen. Die Peruaner versuchen aber so weit sie können dafür zu sorgen, dass man merkt, dass Weihnachten vor der Tür steht. Bei unserer Gastfamilie ist die ganze Wohnung vollgestopft mit Weihnachtssachen. Das Wohnzimmer finde ich recht schön geschmückt, denn wenn es draußen schon dunkel ist, sieht es total schön aus, wenn die Lichterketten des Weihnachtsbaumes (hier gibt es aber nur Weihnachtsbäume aus Plastik) den Raum erhellen. Dann schalten wir Weihnachtsmusik an, setzen uns mit unserem Tee und dem Laptop auf dem Schoß auf die Sofas und schon wirkt es total gemütlich. Als ich jedoch zum ersten Mal die Tür zum Badezimmer aufmachte und sah wie auch dort alles geschmückt war und sogar der Klodeckel und der Spülkasten eine weihnachtliche Verkleidung haben, fand ich den Weihnachtswahn unserer Gastmutter doch ein wenig übertrieben.
So viel Weihnachtsschmuck können sich jedoch nur die wenigstens leisten. Bei uns in Quiquijana ist es eher verhalten geschmückt: ein wenig bei unserem Bereich oben in der Albergue und in der Küche der Schwestern, sowie im Schwesternhaus. Jeden Morgen läuft außerdem Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern. Manche Lieder, die hier auf Spanisch abgespielt werden, kennen wir sogar aus dem Deutschen oder Englischen.
Letzte Woche, am 8.12., war wieder das Fest einer Virgen (keine Ahnung, welche Jungfrau an diesem Tag gefeiert wurde, es gibt zu viele von ihnen und somit auch viele Feste). An diesem Tag sind wir nach Colca gefahren, welches ein kleiner Ort ist, der nur ca. 5-10 Minuten mit dem Auto von Quiquijana entfernt ist. Dort haben wir mit den Kindern einer Grundschule deren erste Eucharisti gefeiert. Anschließend wurden traditionelle Tänze von den Kindern aufgeführt. Auch auf dem Plaza de Armas in Quiquijana konnten wir zuschauen, wie zu Ehrer der Virgen peruanische Tänze aufgeführt wurden und die Leute anschließend eine Prozession durch die Stadt machten, die Virgen vornehinweggetragen.
In dieser Woche hat man unter den Kinder schon sehr gemerkt, dass das Schuljahr dem Ende zugeht. Bei ihnen endet das Schuljahr jetzt, weil hier ja jetzt die Regenzeit anfängt, so wie man auch bei uns im Sommer eine längere Pause hat. Der letzte Schultag ist am 23.12. und das neue Schuljahr beginnt erst wieder im März. In dieser Zeit werde ich meine 33 Urlaubstage nehmen. Am 24.12. feiern wir mit allen Kindern der Albergue und deren Eltern Weihnachten, und am 25.12. starten wir in unsere Ferien, welche bis Mitte Februar gehen. Ich werde in der Zeit viel reisen, sowohl mit den anderen Freiwilligen als auch mit meinen Eltern und meiner Tante. Ich freue mich schon, aus dem Alltagstrott herauszukommen, egal wie viel Spaß mir die Arbeit auch macht.
Die Kinder haben nun also ihre letzten Examen geschrieben und machen in der Schule kaum noch Unterricht. Deswegen gibt es (fast) keine Hausaufgaben, die wir mit ihnen erledigen können.
An dem Mittwoch war es sehr praktisch, dass man keine Hausaufgaben machen musste, denn an diesem Tag wurde die 7-jährige Anita mit einem großen Fest verabschiedet. Am Montag reiste ihre „neue“ Mutter, Cecilia, aus Lima an. Cecilia schien eine sehr freundliche und gebildet Frau zu sein, und sie hat Anita nun adoptiert. Anita hat stetig in der Albergue gelebt, weil sie kein Zuhause mehr hatte. Es ist wirklich schön für sie nun wieder eine richtige Familie zu haben, auch wenn sie natürlich traurig war, all ihre Freunde zurückzulassen. In Lima hat sie die Möglichkeit auf eine gute Bildung und sie kann wirklich etwas aus ihrem Leben machen. Denn wo würde sie wohnen können, wenn sie mit 18 Jahren die Albergue verlassen muss?
Am Dienstag sind Anita, Cecilia und Sör Nelly nach Cusco gefahren. Dort hat Cecilia Anita neu eingekleidet, und ihr wie auch den engsten Freundinnen von Anita kleine Geschenke gekauft. Außerdem haben sie massenhaft Süßigkeiten, Getränke und drei große Torten für das Fest an dem Mittwoch mitgebracht. Bei diesem Fest fehlte es dann wirklich an nichts. Alle hatten sehr viel Spaß beim Tanzen und beim Spielen. Hier kennt man auch „Reise nach Jerusalem“.
Das Highlight war, als die Kleinsten an der „Piñata“ rütteln durften. Das ist eine große Box aus Pappe, die mit kleinen Geschenke gefüllt ist. Die Spielchen sind aus der Piñata gefallen und auch die Schwestern haben zusätzlich Sachen aus Tüten in die Luft geworfen. Alle Kinder stürzten sich auf die Geschenke, es war ein reinstes Schlammketschen ohne Schlamm! Es war ein fröhlicher Abschied von Anita, und ich bin mir sicher, dass sie es in Lima gut haben wird!
Da ich vor Weihnachten nicht mehr die Gelegenheit haben werde hier reinzuschreiben, wünsche ich euch jetzt schon allen ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest!
Ich vermisse es, nicht meine ganze Familie an Weihnachten sehen zu können!
Alles Liebe,
Verena
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