Friday, August 26, 2011

Weiteres aus Quiquijana


Obwohl diese Woche im Prinzip erst die zweite mit unseren richtigen Aufgaben war, fühlt es sich schon fast wie Alltag an. Wir gehen unseren Aufgaben nach wie ich sie euch letzte Woche beschrieben habe. Im Detail gibt es jedoch natürlich immer Besonderheiten. Zum Beispiel dachte ich, ich hätte meine Erwartungen beim Englischunterricht schon weit genug zurückgeschraubt, aber ich musste leider merken, dass dem nicht so war. Ich hatte am Morgen vor unserem Englischkurs alle uns zur Verfügung stehenden Bücher durchgeschaut und mir überlegt, was und in welcher Reihenfolge man den Kindern am einfachsten nahelegen kann. Als wir dann jedoch mit unserer ersten Übung anfingen, unzwar zur Wiederholung „What’s your name?“ incl. Antwort vorzulesen, kam die Frage auf, ob dies „Woher kommst du?“ heiße. Auch die Betonung war ungenügend, wenn sie dann überhaupt ein Wort herausgebracht haben. Diese Kinder sind bis zu 18 Jahre alt und haben Englischunterricht in der Schule. Ich war ziemlich schockiert, dass diese schon sehr niedrigen Erwartungen, die ich hatte, nicht einmal erfüllt werden können. Ich hoffe, dass sie wenigstens die kleinen Dinge, die wir ihnen nun versuchen beibringen behalten können.
Für die Kinder war der Schulalltag diese Woche ziemlich anders, weil ab dem Wochenende „Yanaccocha“, das Fest von Quiquijana, stattfindet. Alle Schulen und Kindergärten bereiten etwas für das Fest vor und werden an der Parade am Dienstag teilnehmen. Ich habe dem Schulorchester bei ihren Proben auf den Spielplatz zugeschaut und auch Ruby, einer der kleinsten, wie sie im Kindergarten einen Tanz eingeübt hat. Wirklich zuckersüß! Am Freitag haben dann auch schon ein paar Tanzgruppen etwas vorgeführt. Sie tanzten traditionelle peruanische Tänze in Trachten, die kleine Schauspiele sind, z.B. wurde zu Beginn des einen bildhaft dargestellt, dass dieser Tanz der Paccha Mama (Mutter Erde) gewidmet wird.
An einem anderen Tag mussten die Kinder ab der 5. Klasse außerdem auf der Chacra arbeiten. Es wurden viele Hände gebraucht, um das Maisfeld anbaufähig herzurichten.

Ich möchte außerdem noch erwähnen, wie ich mich von den Bewohnern von Quiquijana aufgenommen fühle. Ich falle natürlich auf, durch meine weiße Haut, Größe und blonden Haare. Somit habe ich auch schon öfter gehört wie ich „Gringa“, die allgemeine Bezeichnung für ein weißes Mädchen, genannt wurde. Ich sehe dies nicht als Schimpfwort, wie es auch von manchen verstanden wird, sondern denke, dass dies nun mal das Wort ist, bei dem jeder Peruaner urteilslos das Bild einer weißen Frau vor Augen hat.
Ich merke jedoch auch sehr die veränderten Blicke, wenn ich nicht alleine, sondern mit den Kindern die Straße entlang gehe. Denn dann lächeln mich viele an und grüßen mich freundlich, besonders die Frauen. Zum Beispiel warte ich gemeinsam mit manchen der Einwohnerinnen vor dem Kindergarten, bis die Kindern fertig sind mit dem Mittagsessen, oder man sieht sich auch schon morgens beim Hinbringen der Kindern. Somit hat man schon eine grundlegende Gemeinsamkeit und ich bin plötzlich doch nicht mehr so anders.
Mir gefällt es zudem, dass ich nicht nur wegen dem Kindergarten, sondern auch aufgrund meines Bettes im Schwesterhaus, öfter durch das Dorf gehe, weil sich dadurch die Leute an mich gewöhnen und ich außerdem das Leben auf der Straße zu jeder Uhrzeit mitkriegen kann.

Das war es soweit erst einmal wieder von mir. Nächste Woche werde ich sicherlich von dem Fest berichten und Fotos davon hochladen. Also bis dann!
Eure Verena

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